Warum du trotz jahrelanger Selbstarbeit, immer wieder an denselben Punkt kommst
Du hast wirklich schon einiges für dich getan, wahrscheinlich mehr, als die Leute um dich herum überhaupt erahnen. Bücher, Gespräche, vielleicht eine Therapie oder eine Begleitung, verschiedenste Wege, dich selbst besser zu verstehen. Du hast dir Fragen gestellt, um die andere ihr Leben lang einen Bogen machen. Du hast zurückgeblickt, Zusammenhänge erkannt und verstanden, weshalb du in bestimmten Momenten genau so reagierst, wie du reagierst.
Und trotzdem: Da sind diese Augenblicke, in denen du dich urplötzlich wieder an genau der Stelle wiederfindest, an der du eigentlich nie wieder stehen wolltest.
Vielleicht zeigt es sich in deiner Beziehung. Du merkst, dass Du Dich wieder anpasst, obwohl Du Dir fest vorgenommen hattest, mehr bei Dir zu bleiben. Vielleicht sagt jemand etwas über dich, dass dich trifft, obwohl Du ganz genau weißt, dass Du nicht für die Gefühle dieser Person verantwortlich bist, kreisen Deine Gedanken stundenlang damit, ob Du etwas falsch gemacht hast. Oder Du merkst erst wieder hinterher, dass Du Ja gesagt hast, obwohl Du eigentlich Nein meintest.
Und irgendwann kommt dieser Gedanke: „Warum passiert mir das immer noch? Ich habe mich doch so viel mit mir beschäftigt.“
Genau das kann besonders frustrierend sein. Steht man noch am Anfang seiner persönlichen Entwicklung, glaubt man leicht, es fehle einfach noch das richtige Wissen. Aber wenn Du schon jahrelang an Dir gearbeitet hast, wenn Du Deine Muster kennst und Deine Geschichte verstanden hast, dann funktioniert diese Erklärung irgendwann leider nicht mehr.
Dann sitzt Du vielleicht da und überlegst, was Du noch alles herausfinden sollst. Mit welchen Ideen oder Konzepten, du dich als nächstes auseinander setzen solltest und ertappst dich beim Gedanken „Vielleicht habe ich ganz einfach noch nicht die richtige Methode gefunden?!“
An dieser Stelle lohnt sich ein Schritt zurück.
Denn möglicherweise hast Du gar nicht zu wenig gemacht.
Im Gegenteil, eventuell hast Du sogar sehr viel gemacht.
Wenn Du längst weißt, woher dein Verhalten kommt
Zu verstehen, warum man selbst bestimmte Dinge tut, kann eine der größten Erleichterungen überhaupt sein. Auf einmal ergibt etwas einen Sinn, das sich vorher einfach nur seltsam angefühlt hat.
Du erkennst vielleicht, dass Du gelernt hast, Dich anzupassen, weil es früher sicherer war, mehr auf die Bedürfnisse anderer zu achten als auf als Deine eigenen. Du verstehst, weshalb Konflikte Dir so sehr schwerfallen. Du erkennst, warum Du Dich schuldig fühlst, wenn jemand enttäuscht von Dir ist oder warum Du Dich derart unter Druck setzt, sobald Du das Gefühl hast, nicht zu genügen.
Dieses Verstehen ist wichtig. Es verändert, wie du auf dich selbst blickst. Aus einem „Warum bin ich nur so?“ wird irgendwann ein „Ah, deshalb also.“ Und das ist ein echter Unterschied. Und ganz ehrlich gesagt, darfst du dir dafür bereits auf die Schulter klopfen. Allein diese neue Perspektive zu gewinnen, ist schon ein Erfolg.
Nur: Verstanden zu haben heißt noch lange nicht, dass du dich in der nächsten schwierigen Situation automatisch anders verhältst.
Du kannst genau wissen, dass Du keine Schuld daran trägst, wenn jemand enttäuscht von Dir ist und Dich trotzdem schuldig fühlen. Du kannst wissen, dass Grenzen setzen dein gutes Recht ist und trotzdem Angst davor haben, was passiert, wenn Du es tatsächlich tust. Du kannst wissen, dass Dein Wert nichts mit Deiner Leistung zu tun hat und trotzdem einen Tag haben, an dem Du Dich nur gut fühlst, wenn Du wirklich etwas geschafft hast.
Und genau da entsteht oft diese eigenartige Lücke zwischen dem, was Du weißt, und dem, was tatsächlich in Dir passiert. Und diese Lücke ist es, die dich beschäftigt.
Warum noch mehr Verstehen irgendwann nicht mehr weiterbringt
Wir sind darauf trainiert, Probleme mit dem Kopf zu lösen. Verstehen wir etwas nicht, suchen wir eine Erklärung. Funktioniert etwas nicht, suchen wir eine Methode. Und taucht ein Muster immer wieder auf, versuchen wir, seiner Herkunft auf die Spur zu kommen.
Das kann unglaublich hilfreich sein.
Nur gibt es einen Punkt, an dem Du vielleicht gar keine weitere Erklärung mehr brauchst.
Du weißt bereits, woher Dein Verhalten kommt. Du kennst Deine Geschichte. Du hast die Zusammenhänge verstanden. Wahrscheinlich könntest du sogar ziemlich präzise beschreiben, was gerade in dir vorgeht.
Und trotzdem reagiert etwas in Dir noch immer auf eine Weise, die Du eigentlich längst hinter dir lassen wolltest.
Das heißt nicht, dass Du nicht genug verstanden hast. Es heißt auch nicht, dass Deine bisherige Arbeit umsonst war. Es bedeutet einfach, dass Veränderung nicht immer dort geschieht, wo die Erkenntnis entsteht.
Das ist ein Unterschied, den die meisten übersehen.
Denn wir können etwas mit unserem Verstand glasklar begriffen haben und trotzdem völlig emotional darauf reagieren. Wir wissen, dass wir erwachsen sind und andere Möglichkeiten haben und fühlen uns in bestimmten Momenten trotzdem, als gäbe es diese Möglichkeiten überhaupt nicht.
Das ist nicht irrational. Und es bedeutet auch nicht, dass du „noch nicht weit genug“ bist.
Es zeigt vielmehr, dass wir Menschen eben nicht nur aus Gedanken bestehen.
Und dann beginnt die Jagd nach dem nächsten Puzzleteil
Besonders Frauen, die schon viel Selbstarbeit gemacht haben, geraten an diesem Punkt leicht in eine Art Endlosschleife. Wenn die letzte Erkenntnis nicht die Veränderung gebracht hat, muss es eben noch eine weitere geben. Das ist für unseren Kopf völlig logisch, schließlich wollen wir das Problem lösen.
Also wird weiter gesucht und geforscht. Noch ein Buch, noch ein Podcast, noch ein Gespräch, noch ein neuer Ansatz. Vielleicht kommt für eine Weile wieder dieses gute Gefühl, endlich etwas gefunden zu haben, das alles erklären könnte – als hätte man den Code geknackt.
Manchmal stimmt das sogar.
Aber irgendwann wird genau diese Suche selbst anstrengend. Vor allem dann, wenn sich dahinter unbemerkt eine andere Botschaft versteckt: Mit mir stimmt noch etwas nicht. Ich muss nur endlich herausfinden, was.
Dann wird Selbstarbeit zu einem weiteren Punkt auf deiner To-Do-Liste.
Du beobachtest Dich. Du analysierst Dich. Du fragst Dich, warum Du so reagiert hast, was hätte anders laufen müssen und welches Muster dahintersteckt. Manchmal gehst Du sogar Situationen im Kopf immer wieder durch, weil Du beim nächsten Mal unbedingt anders handeln möchtest.
Und plötzlich bist Du wieder sehr beschäftigt mit Dir und Deinem Leben.
Nur diesmal nicht aus Neugier, sondern aus dem Gefühl heraus, dass Du dich endlich im Griff haben und irgendwo ankommen zu müssen. Damit du dich endlich entspannen kannst.
Und dieses zähe Gefühl kennst du vermutlich: das Gefühl, eigentlich längst viel weiter sein zu müssen, als du es gerade bist.
Vielleicht bist Du gar nicht zurückgefallen
Was wäre, wenn Du die nächste Situation nicht als Beweis dafür betrachten würdest, dass Du wieder „am Anfang“ stehst?
Was wäre, wenn Du stattdessen bemerkst: Ich sehe es heute.
Früher hast du vielleicht gar nicht wahrgenommen, wie oft du dich angepasst hast. Du hast einfach funktioniert und dachtest, das sei normal.
Heute bemerkst du es in dem Moment, in dem es passiert.
Du spürst früher, dass etwas nicht richtig ist. Du merkst vielleicht sogar mitten in einer Situation, dass Du gerade dabei bist, Dich selbst zu verlassen.
Auch wenn Du in diesem einen Moment noch nicht anders handelst, ist das bereits eine Veränderung.
Warum? Du hast dich schon ein Stück rausbewegt, bist nicht mehr völlig darin gefangen.
Du beobachtest es. Du nimmst wahr, was passiert.
Und genau da liegt vielleicht der Punkt, an dem du aufhören darfst, dich dafür zu verurteilen, dass es noch nicht so läuft, wie du es dir wünschst.
Denn Veränderung heißt nicht immer, dass ein altes Muster plötzlich vollständig verschwindet. Den oft beginnt sie viel unspektakulärer. Damit, dass Du etwas bemerkst, was früher völlig automatisch ablief.
Und irgendwann entsteht ganz von selbst daraus die Möglichkeit, etwas anders zu machen, dass du dich anstrengen musst.
Wenn Du an eine Grenze stößt
Vielleicht kennst Du inzwischen sehr genau den Punkt, an der Du immer wieder hängen bleibst.
Du kannst Deine Muster erkennen. Du kannst auch größtenteils benennen, wann Du Dich zurückziehst, wann Du Dich anpasst oder wann Du wieder versuchst, alles richtig zu machen.
Und trotzdem gibt es eine Stelle, an die Du mit all deinem Wissen nicht wirklich herankommst.
Du kannst sie vielleicht spüren. Sie taucht immer wieder in bestimmten Situationen auf. Du merkst, dass da etwas passiert, aber sobald Du versuchst, es gedanklich zu fassen, ist es schon wieder weg.
Frustrierend, keine Frage.
Und dann liegt der Gedanke nahe: „Dann muss ich eben noch mehr verstehen.“
Genau hier drehst du dich im Kreis.
Nicht weil Du etwas falsch machst. Nicht weil Du nicht tief genug reflektierst. Und schon gar nicht, weil Du noch nicht genug an Dir gearbeitet hast.
Du bist durch deine bisherige Arbeit einfach an eine Grenze gestoßen.
An eine Grenze dessen, was sich mit diesem Zugang erreichen lässt.
Ich nenne diese Grenze den Deckel.
Der Deckel ist kein Problem, das du noch lösen musst. Er markiert eher den Ort, an dem sichtbar wird: Das, was dich bis hierher gebracht hat, bringt dich nicht zwangsläufig auch weiter.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Denn solange Du glaubst, dass Du einfach noch mehr tun, verstehen oder an Dir arbeiten musst, geht die Reise weiter.
Noch ein Buch. Noch eine Erkenntnis. Noch ein Gespräch. Noch ein Versuch, doch nun endlich herauszufinden, wie es besser werden kann.
Dabei hast Du längst genug verstanden.
Und genau deshalb braucht es jetzt etwas anderes.
Du fehlst Dir vielleicht nicht, weil Du Dich zu wenig kennst
Vielleicht fehlt Dir nicht noch mehr Wissen über Dich selbst. Vielleicht auch nicht die nächste Erkenntnis. Möglicherweise gibt es einfach eine Stelle, an die du bisher selbst nicht wirklich herangekommen bist.
Und das ist etwas anderes.
Denn dann geht es nicht darum, Dich weiter zu optimieren oder endlich dieser Mensch zu werden, den Du glaubst, sein zu müssen.
Es geht darum, wieder mehr bei Dir anzukommen und genau darum geht es in meiner kostenlosen 10-Tage-E-Mail-Serie „Zeit den Deckel zu heben“.
Über zehn Tage nehme ich Dich mit in genau diesen Gedanken: Was passiert, wenn Du schon so viel verstanden hast und trotzdem merkst, dass Du Dich selbst an einer bestimmten Stelle nicht erreichst?
Kennst du das Gefühl, dass dir trotz aller Selbstarbeit noch etwas von dir selbst fehlt, dann ist diese Serie für dich gemacht.
Hier kannst Du „Zeit den Deckel zu heben“ kostenlos starten:
Und falls du beim Lesen merkst, dass du diesen Weg nicht allein weitergehen möchtest: In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst und ob eine Begleitung durch mich zu dir passt.
30 Minuten Du. | Kennenlerngespräch – Verena Kiesel – meetergo
Du musst nicht erst noch mehr über dich herausfinden, bevor du dir wieder näherkommen darfst.

